Gemeinschaftssiedlung Neumühlen

Överblick Kulturmagazin für den Landkreis Verden, Sommer 2005


Individuell und trotzdem gemeinschaftlich und ökologisch planen, bauen und leben, das war die Ausgangsbasis der Projektgruppe „Gemeinschaftssiedlung Neumühlen“. Das Grundstück mit 5000 qm, das die Gemeinschaft nach einjähriger Planungs- und Suchphase 2003 in Verden erworben hat, liegt im Stadterweiterungsgebiet Neumühlen direkt am Waldrand.

Die Bewohner der Ökosiedlung Neumühlen verbindet die Idee einer gemeinschaftlichen Lebensform und ökologischer Grundsätze mit gesellschaftlichem Engagement, hinter dem ein linkes politisches Selbstverständnis steht. Um ihre gemeinschaftlichen und ökologischen Ziele abzusichern, wurde das Grundstück zusammen mit der Wohngenossenschaft „Aller Wohnen“ gekauft. Die einzelnen privaten Baugrundstücke wurden dann durch einen Erbpachtvertrag an die Siedler zeitlich unbegrenzt verpachtet. Zur Zeit stehen auf dem Gelände 7 Doppelhaushälften und 2 Einfamilienhäuser in Niedrigenergie- und Passivhausbauweise, in denen Einzelpersonen aber auch Familien mit Kindern leben. Gebaut wurde individuell aber aufeinander abgestimmt und nach ökologischen Kriterien, d.h. es wurden fast ausschließlich ökologische Baustoffe verwendet. Alle Häuser haben nach Süden hin viele Fenster und nur wenige nach Norden, um die Sonnenenergie optimal zum Heizen des Hauses zu nutzen. In den Passivhäusern gibt es keine Heizungen. An kalten, bewölkten Tagen gibt es zur Wärmegewinnung eine Lüftungsanlage, die Luft von draußen auf bis zu 30 °C erhitzt und somit für eine Mindestwärme von 19 °C im Haus sorgt. Für die Niedrigenergiehäuser gibt es ein Blockheizkraftwerk, das mit Rapsöl gespeist eine Leistung von 26 kW hat und auch für Warmwasser in allen Häusern ausreichend Energie liefert. Damit liegt der Energieverbrauch aller Häuser weit unter dem Durchschnitt, was auch an einer sehr guten Wärmedämmung liegt. Der Wasserverbrauch wird durch eine Pflanzenkläranlage auf dem Grundstück verringert: diese sammelt die „Grauwässer“ aus Dusche und Waschbecken und stellt sie nach der Klärung für die WC’s zur Verfügung.

Auf dem 2000 qm großen Gemeinschaftsbereich steht das Gemeinschaftshaus, dessen Mitfinanzierung eine Vorraussetzung für das Wohnen in der Ökosiedlung ist. Es wird genutzt für Feiern, Meditation, Tangokurse, als Werkstatt und soll nach Ausbau von Schlafzimmern auch für Seminare und Gästeunterbringung genutzt werden. Außerdem wird es eine Sauna geben. Auf dem großen gemeinsamen Grundstück sollen ein Badeteich, ein Volleyballfeld, eine Liegewiese und ein Grill- und Kinderspielplatz entstehen. Der Gemeinschaftsbereich ist über einen Verein organisiert, dem alle Siedler angehören, dem aber auch Menschen außerhalb der Siedlung beitreten können, wenn sie die Gemeinschaftseinrichtungen mitbenutzen oder mitfinanzieren möchten. Auf ca. 2-wöchentlichen Plena werden alle gemeinschaftlichen Angelegenheiten nach Möglichkeit im Konsens entschieden. Sollte dies einmal nicht gelingen, gibt es einen festgelegten Verfahrensweg u.a. mit Mediation, um zu einer Einigung zu kommen.


Sebastian Friederichsen, Överblick